Das "perfekte" Guetzli

Weihnachten liegt in der Luft und ist zum Greifen nah – der langersehnte Moment ist gekommen, mit Kindern das erste Mal Guetzli zu backen. Die Motivation ist gross, denn in Gedanken sehe ich bereits die «glustigen» und wunderbar geformten Mailänderli, welche eine perfekte Backdauer aufweisen. Entspannt und stressfrei soll es ablaufen. Ich bestreue den Tisch mit etwas Mehl und zeige meinem Sohn, wie man den vorbereiteten Teig auswallt. Natürlich möchte er es mir mit grossem Eifer gleichtun und greift zum Mehlsack – schon ist es passiert – ein grosser Mehlberg liegt auf dem Tisch und der Mehlstaub bedeckt auch den Boden, was unsere Backstube in eine weisse Schneelandschaft verwandelt. Ich wische das Gröbste rasch zusammen, damit es schnell weitergehen kann. Wir starten einen neuen Versuch. Gemeinsam haben wir den Teig ausgewallt und können mit Ausstechen loslegen. Gerne würde ich in meiner gewohnten Weise von jeder Form ein paar gleiche Exemplare hintereinander ausstechen, damit sich von jeder Sorte etwa die gleiche Anzahl ergibt. Doch der Kleine schnappt sich flink Form um Form, um mitten im Teig sämtliche Sujets auszutesten. Das war eigentlich nicht die Meinung aber ich bleibe geduldig und denke mir, dass auch dieser Weg möglich ist. Bereits nach den ersten ausgestochenen Guetzli ist kein Platz mehr für weitere Exemplare, was bedeutet, dass ich den Teig mindestens 4 weitere Male zusammenfügen und auswallen muss. Mein Sohn bedient sich währenddessen grosszügig an den Teigresten und meine Geduld ist auch nicht mehr die Neuste. In der Zwischenzeit piepst der vorgeheizte Backofen und wir geraten unter Zeitdruck. Die rohen Mailänderli landen ziemlich unsanft und mit viel Schwung auf dem Blech. Sie sehen verformt aus und sind überhaupt nicht akkurat angeordnet. Doch es gibt kein Zurück. Ich bepinsle in Eile die Guetzlis mit Eigelb und schiebe das Blech in den Ofen. Höchste Zeit, mit der zweiten Ration zu beginnen. Ich dachte, wir wären nun etwas eingespielter aber der zweite Durchlauf gestaltet sich fast noch schwieriger. Die Form, welche ich gerade in der Hand halte, wird mir aus den Fingern gerissen. Prompt geraten wir wieder in Rückstand gegenüber den Mailänderli, welche sich noch im Ofen befinden. Sicherheitshalber blicke ich durch die Ofenscheibe und stelle zufrieden fest, dass die Guetzli noch etwas blass aussehen. Dies gibt uns kostbare Zeit – denke ich – und wir machen uns an die Arbeit. Die Zeit vergeht wie im Nu. Der Ofen! Mit Schrecken stelle ich fest, dass die Mailänderli in den letzten 4 Minuten ziemlich braun geworden sind und nehme sie aus dem Ofen. Auch dies war nicht geplant aber es ist jetzt so wie es ist. Mit einiger Verspätung ist auch die zweite Ration im Ofen versorgt. In der Zwischenzeit suche ich nach dem perfekten Guetzli auf dem ersten Blech, kann es aber nirgends finden. Lass uns die Guetzli ausprobieren, meldet sich der kleine Zuckerbäcker voller Stolz. Ich bin skeptisch aber wir wagen den «Härte»-Test. Mein Sohn beisst rein und strahlt mich an, was mich in Glückseligkeit versetzt. Fazit: Das sind die köstlichsten Guetzli, die ich je gegessen habe.


Wir wünschen allen eine schöne und "schmackhafte" Weihnachtszeit. Ihr Chenderhand-Team



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